PSYQ® – das menschliche Potenzial
Anita Lüthi
Winter

Bevor wir den Frühling freudig begrüssen, hier ein wehmütiger Rückblick auf den Winter, der gar keiner war :

Ich weiss nicht, wie es Ihnen in unseren Breitengraden ergangen ist. Sind Sie am Ende froh, dass Schnee, Kälte und Eis ausblieben, oder haben sie es gar vermisst? Ohne Zweifel gehöre ich zu den letzteren und komme mir vor wie ein Kind, dem man etwas Schönes versprochen und dann nicht eingehalten hat. Und das tut weh!

Ueber die Neujahrstage weilte ich wie in früheren Jahren in den Voralpen im Ober-Toggenburg. Diesmal war alles anders: grüne Wiesen, die Sonne lachte pausenlos vom tiefblauen Himmel herunter und wärmte kräftig. Statt Ski- und Schlittelvergnügen war Wandern und Mountainbiking hoch im Kurs. Eine Stimmung wie an Ostern. Dann folgte ein regnerischer, stürmischer Tag und - oh Wunder - über Nacht hatte sich die liebliche Landschaft in ein weisses Märchen verwandelt! Herrlich - leider nur ein kurzes Gastspiel, schade...
Mit einem Schlag wurde mir bewusst, was für mich "Winter" bedeutet: Rückzug, Besinnlichkeit, Verlangsamung, Stille. Ruhe, Schönheit der verschneiten Landschaft, in der alles Hässliche zugedeckt wird, das Geniessen der warmen Stube, lesen, nachdenken, zu sich kommen...

Rituale liebe ich über alles. Rituale haben etwas mit Wiederholung zu tun . Was, wenn plötzlich alles aus den Fugen gerät, nichts mehr sicher, nix mehr fix ist? Wie geht man mit solchen Verunsicherungen um? Statt trübsinnig weiter zu grübeln, vielleicht kommt Herr Winter nächste Saison aus seinem Urlaub zurück, vielleicht lässt uns ja der Frühling im Regen stehen und hoffen wir doch, dass uns wenigsten der Sommer nicht im Stich lässt!

Ihre trotz allem optimistische Anita Lüthi

PS:
Falls Sie diese Zeilen in Skandinavien oder im Hochgebirge lesen, sieht natürlich alles anders aus....